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Due Diligence bei einer Bank: die Red Flags, die ein Analyst erkennen muss

# Due Diligence bei einer Bank: die Red Flags, die ein Analyst erkennen muss

Am 9. März 2023 zogen Einleger an einem einzigen Tag rund 42 Milliarden Dollar von der Silicon Valley Bank (SVB) ab. Am nächsten Morgen wurde die Bank unter staatliche Kontrolle gestellt. Es war kein rätselhafter Zusammenbruch. Die Warnsignale lagen offen in der Bilanz: eine Einlagenbasis aus Tech-Startups, die sich alle gleich verhielten, ein Anleiheportfolio, das mit steigenden Zinsen an Wert verlor, und ein Risikokomitee, das monatelang ohne Chief Risk Officer gearbeitet hatte.

Due Diligence bei einer Bank bedeutet nicht, den Geschäftsbericht zu lesen und zu nicken. Es bedeutet, zu wissen, wo die Leichen liegen. Diese Lektion führt eine echte Analystencheckliste durch fünf Gefahrenzonen.

1. Governance: Wer kontrolliert das Risiko tatsächlich?

Fangen Sie oben an, denn schwache Governance verstärkt jedes andere Problem.

Was zu prüfen ist:

  • Gibt es einen funktionierenden Chief Risk Officer (CRO)? SVB hatte von April 2022 bis Januar 2023 keinen CRO, genau in der Phase, in der das Zinsrisiko explodierte. Diese Lücke ist für sich genommen eine Red Flag.
  • Unabhängigkeit und Kompetenz des Boards. Wie viele Direktoren verstehen Bankrisiken wirklich, und wie viele sind Marketing- oder Promi-Besetzungen? Aufseher nennen das „fit and proper“-Assessment.
  • Machtkonzentration. Ein dominanter CEO mit einem passiven Board: so entstehen Zusammenbrüche im Stillen.

Credit Suisse ist das Mahnmal für verrottete Governance. Jahre voller Skandale (der Zusammenbruch des Family Office Archegos kostete 2021 rund 5,5 Milliarden Dollar, die Greensill-Lieferkettenfinanzierungsfonds froren rund 10 Milliarden Dollar Kundengeld ein) deuteten auf eine Kontrollkultur, die nie trug. UBS übernahm die Bank im März 2023 in einer staatlich vermittelten Rettung.

Analystenschritt: Prüfen Sie die Tagungsfrequenz des Risikokomitees und alle „matters requiring attention“ der Aufsicht. Wiederkehrende, ungelöste Feststellungen heißen: Das Board steuert nicht.

2. Kredite an nahestehende Personen: Darlehen an Insider

Eine nahestehende Person ist jeder, der der Bank nahesteht: Direktoren, Großaktionäre, Führungskräfte oder Unternehmen in deren Besitz. Ihnen billig oder ohne Prüfung Kredite zu geben, ist eine der ältesten Methoden, eine Bank auszuplündern.

Was zu prüfen ist:

  • Gesamtvolumen der Kredite an nahestehende Personen im Verhältnis zum Kapital. In den USA begrenzt und regelt Regulation O (der Federal Reserve) die Insider-Kreditvergabe. In der EU gelten die Capital Requirements Regulation (CRR) und die Großkreditvorschriften.
  • Sind diese Kredite zu Marktkonditionen? Ein Direktor, der unter Marktzins Kredit aufnimmt, erhält eine Subvention, die aus der Bank abfließt.
  • Notleidende Kredite an nahestehende Personen. Wenn Insider nicht zurückzahlen, wird sie niemand dazu zwingen.

Das stand im Zentrum von Bankpleiten in Emerging Markets und bei kleineren US- und europäischen Instituten. Das Muster ist immer gleich: Kapital, das solide aussieht, steckt tatsächlich in Krediten an Leute, die die Bank kontrollieren.

Rechenbeispiel:

Angenommen, eine Bank weist ein Tier-1-Kapital (ihr Kernkapital zur Verlustabsorption, ungefähr hartes Eigenkapital plus Gewinnrücklagen) von 2 Milliarden Dollar aus und Kredite an nahestehende Personen von 360 Millionen Dollar.

Quote = 360 / 2.000 = 18 %

Vielen Aufsehern wird bei einer aggregierten Insider-Exposure oberhalb eines niedrigen einstelligen Bereichs bis etwa 10 % unbehaglich. 18 % ist eine schreiende Red Flag und rechtfertigt einen tiefen Blick auf Kreditkonditionen und Sicherheiten. (Zahlen illustrativ.)

3. Einlagenkonzentration: die SVB-Lektion

Banken finanzieren sich überwiegend mit Einlagen. Nicht alle Einlagen sind gleich.

Zwei Fragen entscheiden über die Fragilität:

a) Wie konzentriert ist die Basis?

SVBs Einleger waren überwiegend venture-finanzierte Tech- und Healthcare-Firmen. Sie sprachen miteinander, nutzten dieselben VCs und bewegten sich als Herde. Als die Angst kam, liefen sie alle gleichzeitig.

b) Wie viel ist nicht versichert?

In den USA versichert die FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) Einlagen bis 250.000 Dollar pro Einleger und Bank. In der EU decken Einlagensicherungssysteme bis 100.000 EUR. Einlagen oberhalb dieser Grenzen sind „flight risk“: Sie laufen zuerst.

Bei SVB waren geschätzt über 90 % der Einlagen nicht versichert (weit verbreitete Schätzung). Das ist ein Pulverfass.

Analystenschritt: Ziehen Sie den Call Report bzw. die Pillar-3-Offenlegung und berechnen Sie:

Nicht versicherte Einlagen / Gesamteinlagen.

Dann fragen Sie: Sind diese Einleger korreliert? Eine Regionalbank mit vielfältigen lokalen Unternehmen ist weit sicherer als eine, die eine einzige heiße Branche bedient, selbst bei identischer Kennzahl.

Die FDIC BankFind Suite erlaubt es, Finanzdaten von US-Banken direkt und kostenlos einzusehen.

4. Zins- und Liquiditätsrisiko: die Falle unter den Einlagen

Das ist der mechanische Teil, der SVB getötet hat, und es ist Arithmetik.

SVB parkte riesige Einlagen in langlaufenden US-Treasuries und Mortgage-Backed Securities, als die Zinsen nahe Null lagen. Als die Fed 2022 und 2023 aggressiv erhöhte, verloren diese Anleihen an Marktwert. Anleihen und Zinsen bewegen sich gegenläufig.

Zwei Bilanzierungskategorien sind relevant:

  • AFS (available-for-sale): zum Marktwert bewertet, Verluste treffen das sichtbare Eigenkapital.
  • HTM (held-to-maturity): zu Anschaffungskosten geführt, Verluste bleiben verborgen, solange man nicht zum Verkauf gezwungen wird.

SVB hatte große unrealisierte HTM-Verluste. Auf dem Papier in Ordnung. Aber als der Bank Run Verkäufe erzwang, wurden diese Buchverluste real, und das Kapitalloch lag offen.

Achten Sie auf die LCR: Die Liquidity Coverage Ratio verlangt, dass Banken genügend hochliquide Aktiva halten, um einen 30-tägigen Stress zu überleben. Eine Quote komfortabel über 100 % ist die regulatorische Untergrenze, aber eine herdenartige Einlagenbasis kann sie schneller erschöpfen, als das Modell annimmt.

5. AML-Exposure: die Strafe, die Sie nicht modellieren können

AML-Verstöße (Anti-Money Laundering) lösen normalerweise keinen Bank Run aus, aber sie erzeugen massive Strafen, kosten das Management den Job und signalisieren kaputte Kontrollen.

Was zu prüfen ist:

  • Historie von Consent Orders und Strafen von Aufsehern wie der US-OCC (Office of the Comptroller of the Currency), FinCEN (Financial Crimes Enforcement Network) oder europäischen Aufsichtsbehörden.
  • Exposure gegenüber Hochrisikokunden: Korrespondenzbankgeschäft, Krypto-On-Ramps, Jurisdiktionen auf den Grau- oder Schwarzlisten der FATF (Financial Action Task Force).

Die estnische Filiale der Danske Bank verarbeitete über mehrere Jahre schätzungsweise 200 Milliarden EUR an verdächtigen Transaktionen, einer der größten AML-Skandale überhaupt, der 2022 in einem Schuldeingeständnis und rund 2 Milliarden Dollar US-Strafen endete. Das Kontrollversagen war intern lange vor dem Bekanntwerden bekannt.

Analystenschritt: Wenn AML-Strafen wiederkehren, hat die Bank ein Kulturproblem, keinen Einzelfall. Behandeln Sie es auch als Governance-Red-Flag.

Wissenscheck

1. Warum empfiehlt die Lektion, eine Bank-Due-Diligence mit der Governance statt mit der Bilanz zu beginnen?

2. Ein Analyst stellt fest, dass eine Bank während einer Phase rasch steigender Zinsen ohne Chief Risk Officer operierte. Warum ist dieser Zeitpunkt besonders bedenklich?

3. Was signalisiert ein Muster wiederkehrender, ungelöster „matters requiring attention“ der Aufsicht einem Analysten am deutlichsten?

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4. Wählen Sie ALLE richtigen Antworten dazu, warum eine Einlagenbasis aus Tech-Startups SVB fragil machte.

Wählen Sie alle richtigen Antworten aus.

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5. Wählen Sie ALLE richtigen Antworten zur Bewertung des Boards einer Bank im Rahmen der Due Diligence.

Wählen Sie alle richtigen Antworten aus.

6. Außerbilanzielle Vehikel: wo Risiko sich versteckt

Banken können Exposure aus der Bilanz in Strukturen verlagern, die in den Schlagzeilen-Kapitalquoten nicht auftauchen. Das war zentral für 2008 (Structured Investment Vehicles) und ist nie ganz verschwunden.

Worauf zu achten ist:

  • Special Purpose Vehicles (SPVs) und Conduits, die Aktiva halten, für die die Bank implizit Unterstützung zugesagt hat.
  • Eventualverbindlichkeiten: Garantien, Letters of Credit, nicht gezogene Kreditlinien. Eine Bank kann gut kapitalisiert aussehen, bis all diese Zusagen gleichzeitig gezogen werden.
  • Nominalvolumen von Derivaten gegenüber Nettoexposure. Große Nominale sind nicht automatisch gefährlich, opake schon.

Credit Suisses Exposure gegenüber Archegos war faktisch eine konzentrierte, schlecht besicherte Wette auf einen einzigen Kunden mit gehebelten Aktienpositionen. Sie saß in einer Ecke des Prime-Brokerage-Geschäfts, die die Risikofunktion nicht ordentlich überwachte.

Analystenschritt: Lesen Sie den Anhang, nicht nur die Bilanz selbst. Die Formulierung „Verpflichtungen und Eventualverbindlichkeiten“ ist oft der Ort, wo die eigentliche Geschichte steht.

Die Checkliste zusammengesetzt

Keine einzelne Red Flag ist tödlich. Das Muster tötet:

| Gefahrenzone | Das Signal bei SVB / Credit Suisse |

|---|---|

| Governance | Kein CRO; passives Board; wiederkehrende Skandale |

| Nahestehende Personen | Insiderkredite über einem vernünftigen Kapitalanteil |

| Einlagenkonzentration | Herdeneinleger, hoher Anteil nicht versichert |

| Zins/Liquidität | Verborgene HTM-Verluste, dünner Liquiditätspuffer |

| AML | Wiederkehrende Strafen, Hochrisikokunden |

| Außerbilanziell | Konzentrierte Kundenwetten, Ziehung von Eventualverbindlichkeiten |

Ein Analyst, der Anfang 2023 drei oder mehr davon bei SVB erkannte, hatte das vollständige Bild vor dem Markt.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Governance-Lücken sagen alles andere voraus. Ein fehlender CRO oder ein Board, das Aufsichtsfeststellungen nicht abarbeiten kann, ist eine frühe, leicht zu erkennende Warnung.
  • Einlagenqualität schlägt Einlagenvolumen. Berechnen Sie nicht versicherte Einlagen zu Gesamteinlagen und fragen Sie dann, ob die Einleger korreliert sind. Eine Herde läuft gemeinsam.
  • HTM-Verluste sind unter Stress echte Verluste. Prüfen Sie unrealisierte Anleiheverluste immer gegen das Tier-1-Kapital, nicht nur die ausgewiesenen Quoten.
  • Wiederkehrende AML-Strafen signalisieren Kultur, nicht Zufall. Eine Strafe ist Pech; ein Muster ist ein Kontrollversagen.
  • Lesen Sie den Anhang. Außerbilanzielle Vehikel und Eventualverbindlichkeiten sind der Ort, wo verborgenes Risiko lebt; die Bilanz selbst warnt Sie nicht.